Über das Meer

Wir haben uns syrischen Flüchtlingen angeschlossen, die versuchen, von Ägypten nach Italien zu gelangen, übers Meer. Wir haben uns Schleusern ausgeliefert, die nicht wissen, dass wir Journalisten sind. Deshalb treiben sie auch uns mit Schlägen voran, denn alles muss schnell gehen, damit die große Gruppe niemandem auffällt. Nur Amar und seine Familie sind eingeweiht, wer wir wirklich sind. Er ist ein alter Freund, den ich von meiner Berichterstattung über den syrischen Bürgerkrieg kenne. Verzweiflung hat ihn auf diese Reise gezwungen, er träumt davon, in Deutschland zu leben. Er wird für uns auf der Fahrt übersetzen. Wir haben uns lange Bärte wachsen lassen, uns neue Identitäten zugelegt. Auf der Reise sind wir Varj und Servat, Englischlehrer, zwei Flüchtlinge aus einer Kaukasus-Republik. Wir sind jetzt Teil des großen Exodus. Das Mittelmeer ist die Geburtsstätte Europas und mittlerweile der Schauplatz seines größten Versagens.

"ein herausragendes Buch"
Melissa Fleming, langjährige Sprecherin der UN-Flüchtlingshilfe
Über das Meer

Im Juli 2015 reiste der Zeit-Reporter Wolfgang Bauer nach Nigeria, um mit Mädchen zu sprechen, denen die Flucht aus der Sklaverei von Boko Haram gelungen ist. Die Mädchen und Frauen berichten von ihrem Leben vor ihrer Entführung, von ihrer Gefangenschaft und von ihren Träumen für eine bessere Zukunft. Die Erzählungen der Frauen bieten exklusive Einblicke in das Innenleben der Organisation und zeichnen ein detailliertes Bild des Schreckensregimes von Boko Haram. Zugleich beleuchtet das Buch die historischen und politischen Hintergründe des Terrors und zeigt, wie er das ethnische und kulturelle Gleichgewicht in einer der vielfältigsten Regionen der Welt zerstört. Vor allem aber gibt es den Mädchen ihre Stimme zurück.

"Dringend zur Lektüre empfohlen"
Malala Yousafzai, Friedensnobelpreisträgerin
Bruchzone

Dieses Buch versteht sich als eine Art Frühwarnsystem. Die hier versammelten Reportagen, die zwischen 2010 und 2017 entstanden sind, erkunden die Zone, in der unsere Welt zerbricht oder gar schon zerbrochen ist. Sie versuchen die Brüche auszuleuchten, wie Klüfte im Gestein, ihre Tiefe festzustellen, ihre Ausmaße, ihre Verzweigungen. Diese Bruchzone ist der Ort der Umwälzung und Veränderung, dort beginnt, dort platzt auf, was uns kurz darauf auch in Europa und Amerika erfasst.

»Wolfgang Bauer macht in seinem Sammelband deutlich, wofür wir die Reportage brauchen: um Fakten mit Gefühlen zu verbinden, um Menschen in Extremsituationen zu verstehen.«
Anne Kohlick, Deutschlandfunk Kultur